
Die 8 Prinzipien des Innovationsmanagements: Ihr Nordstern für Innovations-Erfolg
Von Dennis Böcker
Artikel 2 von 16 der ISO 56001 Innovationsmanagement-Serie
Die fundamentalen Leitlinien für nachhaltige Innovationsfähigkeit
Prinzipien sind mächtig. Sie liefern Orientierung, wenn Prozesse versagen. Sie informieren Entscheidungen in unbekanntem Terrain. Sie schaffen Kohärenz über verschiedene Aktivitäten hinweg. Und im Innovationsmanagement, wo Unsicherheit die einzige Konstante ist, sind solide Prinzipien unverzichtbar.
Die ISO 56002 definiert acht fundamentale Prinzipien, die erfolgreiche Innovationsmanagementsysteme leiten. Diese Prinzipien sind nicht abstrakte Ideale – sie sind praktische Leitlinien, die jede Entscheidung, jeden Prozess und jede Struktur in Ihrem IMS leiten sollten.
In diesem Artikel erkunden wir jedes der acht Prinzipien, verstehen seine Bedeutung und lernen, wie wir es in die Praxis umsetzen können.
Prinzip 1: Wertrealisierung
Das Prinzip
Innovation muss Wert für die Organisation und ihre Stakeholder schaffen und realisieren. Dies mag selbstverständlich klingen, doch viele Organisationen verwechseln Innovation mit Aktivität. Sie messen Inputs (Ideen generiert, Projekte gestartet) statt Outcomes (realisierter Wert).
Wertrealisierung bedeutet mehr als nur wertvolle Innovationen zu schaffen – es bedeutet, diesen Wert tatsächlich zu erfassen. Eine brillante Invention, die nie skaliert wird, nie zum Einsatz kommt oder nie angenommen wird, schafft keinen realisierten Wert.
In der Praxis
- Wert definieren: Beginnen Sie mit klaren Definitionen, was "Wert" in Ihrem Kontext bedeutet. Für ein kommerzielles Unternehmen könnte es Umsatzwachstum, Margenverbesserung oder Marktanteilsgewinne sein. Für eine gemeinnützige Organisation könnte es soziale Wirkung, erreichte Begünstigte oder Kosteneffizienz sein. Für Regierungsbehörden könnte es Bürgerzufriedenheit, Serviceverbesserung oder politische Zielerreichung sein.
- Wertschöpfungspfade definieren: Verstehen Sie, wie Innovationen vom Konzept bis zur Wertrealisierung verlaufen. Wo werden Werte häufig verschenkt? In der Kommerzialisierung? In der Skalierung? In der Adoption?
- Messung über den gesamten Lebenszyklus: Messen Sie nicht nur, ob Innovationen gestartet wurden, sondern ob sie Wert liefern. Verfolgen Sie Initiativen von der Ideengenerierung über die Entwicklung, Einführung und Skalierung bis zur vollständigen Wertrealisierung.
- Portfolio-Balance: Balancieren Sie kurzfristige Wertschöpfung (meist inkrementelle Innovationen) mit langfristiger Wertschaffung (meist transformative Innovationen). Beide sind notwendig, aber sie realisieren Wert in unterschiedlichen Zeiträumen.
- Stakeholder-Wert: Erkennen Sie, dass unterschiedliche Stakeholder unterschiedlichen Wert suchen. Kunden möchten bessere Lösungen. Mitarbeiter möchten sinnvolle Arbeit. Investoren möchten Renditen. Gemeinschaften möchten positive Auswirkungen. Exzellentes Innovationsmanagement schafft Wert für mehrere Stakeholder-Gruppen.
Häufige Fallstricke
- Innovation um der Innovation willen: Innovieren ohne klare Wertdefinition
- Frühzeitige Erfolgserklärung: Innovation als erfolgreich bezeichnen, wenn sie gestartet wird, nicht wenn sie Wert liefert
- Einzelne Kennzahl-Fokussierung: Nur finanzielle Renditen messen und andere Wertformen ignorieren
- Wertvernachlässigung: Großartige Innovationen entwickeln, aber Skalierung und Wertrealisierung nicht konsequent zu verfolgen
Prinzip 2: Zukunftsorientierte Führung
Das Prinzip
Führungskräfte auf allen Ebenen müssen Innovation vorantreiben, indem sie eine inspirierende Vision etablieren, Richtung vorgeben und ein Umfeld schaffen, das Innovation ermöglicht.
Innovation kann nicht delegiert werden. Während dedizierte Innovationsfunktionen wertvoll sind, muss Leadership das Engagement, die Ressourcen und das Umfeld schaffen, in dem Innovation gedeiht.
In der Praxis
Visionäre Richtung: Führungskräfte müssen einen überzeugenden "Nordstern" für Innovation artikulieren. Wo geht die Organisation hin? Warum ist Innovation entscheidend für diese Zukunft? Wie trägt die Arbeit jedes Einzelnen zu dieser Vision bei?
Ressourcen-Commitment: Leadership zeigt Commitment durch konsequente und nachhaltige Ressourcenallokation. Wird Innovation angemessen finanziert? Haben Innovationsinitiativen Zugang zu Top-Talenten? Bekommen Menschen Zeit zum Innovieren?
Umfeld-Gestaltung: Führungskräfte schaffen Bedingungen für Innovation, indem sie:
- Psychologische Sicherheit aufbauen, in der Menschen Risiken eingehen können
- Experimentieren belohnen, unabhängig vom Ergebnis
- Silos auflösen, die Zusammenarbeit blockieren
- Bürokratie beseitigen, die Geschwindigkeit verlangsamt
- Lernen aus Fehlschlägen normalisieren
Verteilte Führung: Während Top-Leadership kritisch ist, erfordert Innovation Führung auf allen Ebenen. Mittleres Management muss Innovation in ihren Bereichen vorantreiben. Teamleiter müssen Innovation in der täglichen Arbeit ermöglichen. Individuen müssen persönliche Innovationsverantwortung übernehmen.
Modellverhalten: Führungskräfte müssen die Verhaltensweisen vorleben, die sie sehen möchten. Stellen sie neugierige Fragen? Fordern sie Annahmen heraus? Experimentieren sie? Lernen sie öffentlich aus Fehlschlägen?
Häufige Fallstricke
- Lippenbekenntnisse: Innovation predigen, aber nicht in Ressourcen investieren
- Mikromanagement: Innovation kontrollieren, statt zu ermöglichen
- Kurzfristiger Druck: Quartalsergebnisse über langfristige Innovationsinvestitionen priorisieren
- Risikoaversion: Um Innovation bitten, aber Fehler bestrafen
- Delegation ohne Engagement: Innovation an ein Team delegieren ohne aktives Leadership-Involvement
Prinzip 3: Strategische Ausrichtung
Das Prinzip
Innovationsaktivitäten müssen an der Strategie der Organisation und ihrem Zweck ausgerichtet sein. Innovation ist kein zufälliger Prozess – sie sollte die strategische Richtung der Organisation aktiv unterstützen.
Ohne strategische Ausrichtung verschwenden Organisationen Ressourcen auf Innovationsinitiativen, die, selbst wenn erfolgreich, keinen strategischen Wert schaffen. Mit Ausrichtung wird jede Innovationsaktivität zu einem strategischen Schritt in Richtung organisatorischer Ziele.
In der Praxis
Innovationsstrategie aus Geschäftsstrategie ableiten: Ihre Innovationsstrategie sollte direkt aus Ihrer Geschäftsstrategie abgeleitet sein. Wenn Ihre Geschäftsstrategie neue Märkte betont, sollte Innovation Markteintritts-Innovationen priorisieren. Wenn Nachhaltigkeit zentral ist, sollte Innovation grüne Lösungen betonen.
Strategische Themen definieren: Identifizieren Sie strategische Innovationsthemen, die wichtige Geschäftsziele adressieren. Diese Themen führen Ideengenerierung, Opportunitätsbewertung und Ressourcenallokation.
Portfolio-Ausrichtung: Managen Sie Ihr Innovationsportfolio, um strategische Balance sicherzustellen:
- Horizont 1 (Core): Kerngeschäft optimieren
- Horizont 2 (Adjacent): In angrenzende Bereiche expandieren
- Horizont 3 (Transformational): Zukünftige Disruption schaffen
Regelmäßige Ausrichtungs-Reviews: Die Strategie entwickelt sich weiter. Überprüfen Sie regelmäßig, ob Innovationsaktivitäten noch zur aktuellen strategischen Richtung passen. Beenden Sie Initiativen, die strategisch nicht mehr relevant sind. Raum schaffen im Portfolio durch konsequentes Beenden von Initiativen ist kritisch.
Strategische Klarheit kaskadieren: Jeder, der an Innovation arbeitet, sollte verstehen, wie seine Arbeit zur Strategie beiträgt. Diese Klarheit ist die Basis für Entscheidungen und erhöht die Motivation aller Beteiligten.
Häufige Fallstricke
- Strategisches Driften: Innovationen verfolgen, die interessant sind, aber nicht strategisch ausgerichtet
- Mangelnde Strategieklärung: Innovation vorantreiben ohne klare Geschäftsstrategie
- Opportunistische Sprunghaftigkeit: Jeder neuen Gelegenheit nachjagen, unabhängig von strategischer Relevanz
- Starre Interpretation: So eng an Strategie festhalten, dass aufkommende Chancen verpasst werden
Prinzip 5: Erkenntnisse nutzen
Das Prinzip
Innovationsmanagementsysteme müssen flexibel und anpassungsfähig sein, um auf sich ändernde Umstände zu reagieren. Was heute funktioniert, funktioniert morgen möglicherweise nicht. Starre Systeme werden irrelevant; adaptive Systeme gedeihen.
Anpassungsfähigkeit gilt auf mehreren Ebenen: Innovationsinitiativen müssen pivotieren können. Innovationsprozesse müssen sich weiterentwickeln. Das IMS selbst muss kontinuierlich verbessert werden.
In der Praxis
Flexible Prozesse gestalten: Vermeiden Sie starre, one-size-fits-all-Prozesse. Gestalten Sie Prozesse, die an unterschiedliche Innovationstypen, Kontexte und Reifegrade angepasst werden können.
Iterative Ansätze annehmen: Nutzen Sie iterative statt linearer Ansätze. Planen, testen, lernen, anpassen, wiederholen. Diese Zyklen ermöglichen kontinuierliche Anpassung basierend auf dem Lernprozess.
Umgebung überwachen: Verfolgen Sie kontinuierlich interne und externe Veränderungen, die Anpassung erfordern könnten:
- Marktverschiebungen
- Technologische Durchbrüche
- Wettbewerbsbewegungen
- Regulatorische Änderungen
- Organisatorische Veränderungen
Experimentieren am System: Wenden Sie den experimentellen Ansatz nicht nur auf Innovationen an, sondern auch auf Ihr IMS. Testen Sie neue Prozesse, Werkzeuge und Ansätze. Lernen Sie, was funktioniert. Skalieren Sie Erfolge.
Diversität nutzen: Vielfältige Teams und Perspektiven erhöhen Anpassungsfähigkeit. Homogene Gruppen haben blinde Flecken; diverse Teams sehen mehr Signale und generieren mehr Anpassungsoptionen.
Kontinuierliches Lernen: Etablieren Sie After-Action-Reviews, Retrospektiven und Lessons-Learned-Prozesse. Jede Erfahrung sollte organisationales Lernen und Anpassung zur Folge haben.
Häufige Fallstricke
- Prozess-Starrheit: An Prozessen festhalten, selbst wenn sie nicht funktionieren
- "Das haben wir schon immer so gemacht": Änderungen aus Gewohnheit widerstehen
- Überplanung: So detailliert planen, dass Anpassung unmöglich wird
- Diversität ignorieren: Homogene Teams bilden, die Anpassungssignale verpassen
- Lernen vernachlässigen: Erfahrungen nicht erfassen und zukünftiges Verhalten gezielt anpassen
Prinzip 7: Anpassungsfähigkeit
Das Prinzip
Innovation beinhaltet inhärent Unsicherheit. Statt Unsicherheit zu vermeiden, müssen erfolgreiche Organisationen lernen, sie zu managen, zu nutzen und sogar anzunehmen.
Unsicherheit ist nicht nur Risiko – sie repräsentiert auch Chancen. Märkte mit hoher Unsicherheit bieten oft die größten Möglichkeiten für innovative Akteure. Der Schlüssel liegt nicht in der Eliminierung von Unsicherheit, sondern in ihrem intelligenten Management.
In der Praxis
Unsicherheit explizit machen: Identifizieren und artikulieren Sie die Unsicherheiten, die jeder Innovationsinitiative innewohnen:
- Technische Unsicherheit: Können wir das bauen?
- Markt-Unsicherheit: Werden Kunden es wollen?
- Geschäftsmodell-Unsicherheit: Können wir damit Geld verdienen?
- Ausführungs-Unsicherheit: Können wir es liefern?
Experimentieren zur Reduktion: Nutzen Sie Experimente, um systematisch Unsicherheit zu reduzieren, bevor Sie große Investitionen tätigen. Jedes Experiment sollte eine spezifische Unsicherheit adressieren.
Portfolio-Ansatz: Balancieren Sie Initiativen mit unterschiedlichen Unsicherheitsniveaus:
- Geringes Risiko/Geringe Rendite: Inkrementelle Innovationen mit hoher Sicherheit
- Mittleres Risiko/Mittlere Rendite: Angrenzende Innovationen mit moderater Unsicherheit
- Hohes Risiko/Hohe Rendite: Transformative Innovationen mit hoher Unsicherheit
Adaptive Planung: Nutzen Sie adaptive statt starrer Planung. Wenn Unsicherheit hoch ist, planen Sie in kurzen Zyklen, lernen Sie schnell und passen Sie an.
Risiko-Toleranz definieren: Seien Sie explizit über Ihre Risikotoleranz für verschiedene Innovationstypen. Nicht alle Innovationen erfordern dieselbe Risikotoleranz.
Fehlschläge intelligent managen: Wenn Sie mit Unsicherheit arbeiten, werden einige Initiativen scheitern. Der Schlüssel ist intelligent zu scheitern: früh, kostengünstig und lehrreich. Feiern Sie intelligente Fehlschläge, die wertvolle Lerneffekte generieren.
Häufige Fallstricke
- Gewissheit vortäuschen: So tun, als ob Unsicherheit nicht existiert
- Risikovermeidung: Nur sichere Innovationen verfolgen und Chancen verpassen
- Großes-Wetten-Syndrom: Große Investitionen tätigen, bevor Unsicherheit strukturiert reduziert wurde
- Fehlschlag-Phobie: Jedes Scheitern als Problem behandeln statt als Lernen
- Einseitige Unsicherheit: Nur Risiken sehen, nicht Chancen
Prinzip 4: Kultur
Das Prinzip
Organisationen müssen interne und externe Erkenntnisse, sogenannte Insights, suchen, managen und nutzen, um Innovationsentscheidungen zu vorzubereiten. Im Informationszeitalter ist die Fähigkeit, relevante Erkenntnisse zu sammeln, zu interpretieren und anzuwenden, ein kritischer Wettbewerbsvorteil.
Erkenntnisse kommen aus vielen Quellen: Kundenfeedback, Marktforschung, technologische Entwicklungen, Wettbewerbsintelligenz, interne Experimente, akademische Forschung, Trendanalysen und Stakeholder-Engagement.
In der Praxis
Systematische Erkenntnissammlung: Etablieren Sie Mechanismen zum kontinuierlichen Sammeln von Erkenntnissen:
- Kundeneinblicke: Regelmäßige Interaktion, Feedback-Systeme, ethnografische Forschung
- Marktintelligenz: Trendscanning, Wettbewerbsanalyse, Schwächesignal-Erkennung
- Technologie-Radar: Tracking aufkommender Technologien und Fähigkeiten
- Interne Erkenntnisse: Experimentelle Ergebnisse, Leistungsdaten, Lessons Learned
Erkenntnisintegration: Unterschiedliche Erkenntnisse müssen zusammenkommen, um ganzheitliches Verständnis zu schaffen. Fördern Sie funktionsübergreifende Erkenntnisteilung und Synthese.
Evidenzbasierte Entscheidungen: Treffen Sie Innovationsentscheidungen basierend auf Evidenz, nicht nur Meinung oder HiPPO (Highest Paid Person's Opinion). Wesentliche Frage: "Welche Erkenntnisse unterstützen diese Richtung?"
Experimentieren zum Lernen: Nutzen Sie Experimente als Erkenntnismechanismus. Jedes Experiment – erfolgreich oder nicht – sollte wertvolle Erkenntnisse generieren, die zukünftige Entscheidungen verbessern.
Wissensmanagement-Systeme: Investieren Sie in Systeme, die das Erfassen, Organisieren und Teilen von Erkenntnissen erleichtern. Dies könnten Innovationsportale, Lessons-Learned-Datenbanken oder Communities of Practice sein. Mit dem gezielten Einsatz von KI kann das in der Organisation dokumentierte Wissen leichter verfügbar gemacht werden.
Externe Perspektiven: Gehen Sie über interne Erkenntnisse hinaus. Engagieren Sie Kunden, Partner, Akademiker, Startups und sogar Wettbewerber, um frische Perspektiven zu gewinnen.
Häufige Fallstricke
- Annahmen-basierte Entscheidungen: Auf Meinungen statt Evidenz entscheiden
- Erkenntnissilos: Wertvolle Erkenntnisse isolieren, statt zu teilen
- Interne Fokussierung: Nur interne Daten betrachten und externe Signale ignorieren
- Analyse-Paralyse: Unendlich Erkenntnisse sammeln, nie handeln
- "Not invented here": Externe Erkenntnisse ablehnen
Prinzip 6: Unsicherheit managen
Das Prinzip
Eine Innovationskultur – geprägt von gemeinsamen Werten, Überzeugungen und Verhaltensweisen – ist fundamental für Innovationserfolg. Prozesse und Strukturen sind wichtig, aber Kultur bestimmt, ob sie tatsächlich funktionieren.
Kultur ist, was passiert, wenn niemand zuschaut. Sie manifestiert sich in tausend kleinen Entscheidungen, die jeden Tag getroffen werden: Ob Menschen Ideen teilen, Risiken eingehen, Annahmen hinterfragen oder voneinander lernen.
In der Praxis
Gewünschte Verhaltensweisen definieren: Seien Sie explizit, welche Verhaltensweisen Innovation in Ihrer Organisation unterstützen:
- Neugier und Infragestellen von Annahmen
- Experimentieren und Lernen aus Fehlschlägen
- Zusammenarbeit über organisationale Grenzen hinweg
- Kundenzentrierung und Empathie
- Schnelligkeit und Handlungsfokus
- Offenheit und Transparenz
Systeme an Kultur ausrichten: Ihre formalen Systeme müssen gewünschte Kultur verstärken:
- Rekrutierung: Stellen Sie Menschen ein, die kulturell passen
- Anerkennung: Belohnen Sie Innovationsverhalten, nicht nur -ergebnisse
- Beförderung: Fördern Sie Menschen, die Innovation vorleben
- Leistungsmanagement: Bewerten Sie Innovationsbeiträge entlang der definierten Werte
Psychologische Sicherheit aufbauen: Menschen müssen sich sicher fühlen, Ideen zu teilen, Fehler zuzugeben und Risiken einzugehen. Führungskräfte schaffen Sicherheit durch:
- Neugierig statt kritisch reagieren
- Fehlschläge als Lerngelegenheiten nutzen
- Verletzlichkeit modellieren
- Unterschiedliche Perspektiven würdigen
Geschichten und Symbole nutzen: Kultur wird durch Geschichten verstärkt. Erzählen Sie Geschichten von Innovationserfolgen und lehrreichen Fehlschlägen. Schaffen Sie Symbole, die Innovationscommitment repräsentieren.
Geduld üben: Kulturveränderung braucht Jahre, nicht Monate. Sie verändert sich durch gelebtes Verhalten auf allen Ebenen der Organisation. Bleiben Sie konsequent in Botschaften, Modellverhalten und Systemen. Feiern Sie Fortschritt, erwarten Sie aber keine Über-Nacht-Transformation.
Häufige Fallstricke
- Kultur ignorieren: Auf Prozesse fokussieren und Kultur vernachlässigen
- Bestrafung von Fehlern: Um Risikobereitschaft bitten, aber Scheitern bestrafen
- Inkonsistente Signale: Innovation propagieren, aber konservatives Verhalten belohnen
- Ungeduld: Nach schnellen Kulturveränderungen suchen
- Top-down-Aufzwingen: Versuchen, Kultur zu diktieren statt zu kultivieren

Prinzip 8: Systemansatz
Das Prinzip
Innovation sollte als integriertes System verstanden und gemanagt werden, nicht als Sammlung isolierter Aktivitäten. Alles ist mit allem verbunden: Strategie beeinflusst Kultur, Kultur beeinflusst Verhalten, Verhalten beeinflusst Ergebnisse, Ergebnisse beeinflussen die Strategie.
Systemdenken erkennt an, dass Optimierung eines Teils das Gesamtsystem suboptimieren kann. Das Ziel ist Gesamtsystem-Effektivität, nicht lokale Optimierung.
In der Praxis
Verbindungen kartieren: Verstehen Sie, wie verschiedene IMS-Elemente interagieren:
- Wie beeinflusst die Strategie die Ressourcenallokation?
- Wie beeinflussen Kompetenzprogramme den Initiativenerfolg?
- Wie beeinflussen Leistungskennzahlen strategische Anpassungen?
Systemische Lösungen gestalten: Wenn Probleme auftreten, suchen Sie systemische Ursachen, nicht nur Symptome. Wenn Initiativen scheitern, liegt es an individueller Ausführung oder systemischen Barrieren?
Integration betonen: Brechen Sie Silos auf, die System-Effektivität behindern. Fördern Sie funktionsübergreifende Zusammenarbeit, integrierte Planung und ganzheitliche Problemlösung.
Hebelpunkte identifizieren: In Systemen haben einige Interventionen überproportionale Wirkung. Identifizieren Sie diese Hebelpunkte in Ihrem IMS. Manchmal löst die Behebung einer kleinen Barriere umfassende Verbesserungen aus.
Systemische Kennzahlen: Messen Sie System-Performance, nicht nur Komponenten-Performance. Wie gesund ist das Gesamtsystem? Liefert es integrierte und ganzheitliche Wertschöpfung?
Governance-Integration: Stellen Sie sicher, dass Innovations-Governance mit anderen Governance-Systemen (Qualität, Risiko, Finanzen, Strategie) integriert ist, nicht isoliert davon.
Häufige Fallstricke
- Silo-Optimierung: Einen Teil verbessern auf Kosten des Ganzen
- Symptombehandlung: Symptome adressieren statt systemische Ursachen
- Fragmentierte Initiativen: Singuläre Verbesserungen starten ohne Systemdenken
- Verbindungen ignorieren: Nicht erkennen oder analysieren, wie IMS-Elemente interagieren
- Isolierte Governance: Innovations-Governance vom Rest der Organisation trennen
Die Prinzipien in Aktion bringen
Diese acht Prinzipien sind keine Checkliste zum Abhaken – sie sind lebendige Leitlinien, die kontinuierlich Ihr Innovationsmanagement informieren sollten.
Praktische Schritte zur Einbettung der Prinzipien:
- Assessment: Bewerten Sie Ihre aktuelle Ausrichtung mit jedem Prinzip. Wo sind Sie stark? Wo gibt es Lücken?
- Priorisierung: Sie können nicht alles auf einmal adressieren. Welche Prinzipien würden den größten Unterschied machen?
- Integration: Bauen Sie Prinzipien in Ihre Prozesse, Entscheidungen und Systeme ein. Fragen Sie bei jeder bedeutenden Entscheidung: "Sind wir an unseren Prinzipien ausgerichtet?"
- Kommunikation: Machen Sie die Prinzipien sichtbar und verständlich in der gesamten Organisation. Nutzen Sie sie als gemeinsame Sprache für ihre Innovations-Diskussionen.
- Vorbildfunktion: Führungskräfte sollten die Prinzipien in ihren Entscheidungen und Verhaltensweisen vorleben.
- Überprüfung: Überprüfen Sie regelmäßig, ob Ihre Innovationsaktivitäten mit den Prinzipien übereinstimmen. Weichen Sie ab? Warum?
Von Prinzipien zu Praxis
Die acht Prinzipien bieten einen kraftvollen Kompass für Ihre Innovationsreise. Sie strukturieren nicht nur, was Sie tun, sondern wie Sie es tun. Sie schaffen Durchgängigkeit über verschiedene Aktivitäten und Entscheidungen hinweg. Sie bieten Orientierung, wenn Sie mit Unsicherheit und Komplexität konfrontiert sind.
Aber Prinzipien allein reichen nicht aus. Sie müssen in praktische Systeme, Prozesse und Strukturen übersetzt werden. In den kommenden Artikeln werden wir genau das erkunden – wie man die Prinzipien in effektive Innovationsmanagementsysteme umsetzt.
Nächster Artikel: Kennen Sie Ihre Innovationslandschaft: Organisationskontext und Stakeholder verstehen (ISO 56001 Clause 4)
Reflexionsfragen für Ihr Führungsteam
- Bei welchen der acht Prinzipien sind wir am stärksten? Wo am schwächsten?
- Wie würde sich unsere Innovation verändern, wenn wir alle acht Prinzipien konsequent anwenden würden?
- Welches einzelne Prinzip würde den größten Unterschied für unseren Innovationserfolg machen?
- Wo widersprechen unsere aktuellen Systeme und Verhaltensweisen diesen Prinzipien?
- Wie können wir die Prinzipien in unseren täglichen Innovationsentscheidungen sichtbarer machen?